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Identitätsasyl aus Verzweiflung?

10.11.2011   |   In: Gedanken zum Freitag

Von: Saloua Mohammed

 

Die Revolutionen in den arabischen Ländern haben nicht nur die arabische Welt ins Staunen versetzt. Auch hier in Deutschland fand ein bunter Wechsel der Gemüter statt.
„ Ich bin so stolz darauf! Der arabische Frühling hat der ganzen Welt endlich das wahre Gesicht der arabischen Jugend zeigen können: Gebildet, gewaltlos und kultiviert! Und uns nimmt man endlich hier vor Ort ernst!“ Solche Aussagen hörte man in letzter Zeit immer häufiger von deutschen Jugendlichen mit arabischen Wurzeln. Sie sind stolz auf den „Ghandi way of Revolution“, welcher seitens der arabischen Jugend während den Revolutionen in der arabischen Welt immer wieder eingeschlagen wurde. Auch sind diese Jugendliche stolz darauf, endlich einmal mit etwas positivem in Verbindung gebracht zu werden, statt mit der alten Masche des bösen, islamistischen, und fundamentalistischen Hardcore Terroristen, der die Weltherrschaft an sich reißen möchte, und die schleichende Islamisierung durch hohe Geburtenraten in Europa einführen will. Fragt man diese Jugendlichen, was sie von der medialen Landschaft in Deutschland halten, kommt oft erst einmal ein erschrockener Blick, welcher von den darauf folgenden negativ gestimmten und in vielen Fällen hoffnungslosen Aussagen meist untermauert wird. „Wir sind frei! Wir haben die Revolution geschafft!“, heißt es bei einigen deutsche Jugendliche mit arabischen Wurzeln. Wir? Die hier lebenden? Freuen sich diese Jugendlichen allein aufgrund dessen, dass ihre Eltern ursprünglich aus den jeweiligen arabischen Ländern stammten? Oder steckt dahinter eher ein Identitätsasyl, weil man sich in der hiesigen Gesellschaft immer wieder aufs Neue abgestoßen fühlt?
Sich an der lang ersehnten Freiheit und endlich erreichten Würde anderen zu freuen, ist etwas Nobles. Sich jedoch immer weniger mit dem Land identifizieren zu können, indem man geboren und aufgewachsen ist, signalisiert eine große Enttäuschung. Deutschland irrt sich gewaltig wenn es denkt, auf diese Jugendlichen nicht angewiesen sein, denn auch sie, und gerade sie, sind die Kinder Deutschlands.

 

Saloua Mohammed, ist Menschenrechtlerin und Friedensaktivistin. Sie setzt sich sowohl in Europa, als auch in Afrika für die Menschenrechte und Friedensarbeit, ein. Sie ist u.a. auch in Jugendorientierten und humanitären Organisationen und Netzwerke ehrenamtlich aktiv.