Sie sind hier

6. Interkulturelles Fastenbrechen der IMSU Aachen

Von: Mohammad Ayub, Hakan Polat, Tarek Al-Homsy
18.09.2011   |   In: Break fast, break barriers!

Beim sechsten interkulturellen Fastenbrechen der RWTH Aachen am 11.08.2011 fanden ungefähr 250 Studierende und Akademiker ihren Weg in die Empore des SuperC, um der Einladung der Internationalen Muslimischen Studenten Union (IMSU) und der Pakistan Student Association (PSA) zu folgen. In Kooperation mit dem International Office findet das Interkulturelle Fastenbrechen jährlich anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan statt.
Der Ramadan, dessen Beginn dieses Jahr auf den 1. August fiel, ist der neunte Monat im islamischen Kalender. Der islamische Kalender orientiert sich am Mond und ist deshalb zehn bis elf Tage kürzer als der gregorianische Kalender („Sonnenkalender“). Dadurch findet der Ramadan in jedem Jahr zu einer anderen Zeit statt und durchläuft alle vier Jahreszeiten. Für die weltweit ca. 1,5 Milliarden Muslime ist der Ramadan ein besonderer Monat. Auf der ganzen Welt gehen Muslime in diesem heiligen Monat besonderen religiösen Pflichten nach, allen voran das Fasten von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang. Das Fasten ist einer der fünf Säulen des Islam und damit eine besondere religiöse Pflicht. Dabei enthalten sich die Fastenden nicht nur Speisen und Getränken, sondern beispielsweise auch dem Rauchen und dem Geschlechtsverkehr. Muslime empfinden dies nicht als Qual, sondern vielmehr als willkommene, alljährliche Möglichkeit der Besinnung und der Selbstdisziplinierung. In Hingabe zu Gott (arabisch: „Allah“) zu leben und gemeinsam mit Familie, Freunden und der Gemeinde zu fasten verleiht den Muslimen Demut und Genugtuung.
Ramadan ist nicht nur ein Monat der körperlichen Enthaltsamkeit, sondern auch ein Monat des intensiven Gottesdienstes und der Verhaltensoptimierung. Die Fastenden sollen versuchen besondere Charakterzüge auszuprägen, wie beispielsweise Geduld, Bescheidenheit und Großzügigkeit. Die Fastenden vollziehen sich quasi einer spirituellen und charakterlichen Erziehung und rüsten sich dadurch mit Tugenden, um die Herausforderungen des Alltags - auch jenseits des Ramadan - zu meistern. Viele Muslime empfinden den Ramadan daher als Monat, in dem Energie „aufgetankt“ werden kann.
Die Gastgeber des interkulturellen Fastenbrechens haben sich das Ziel gesetzt, den Austausch zwischen den Studierenden und Akademikern verschiedener Hintergründe und Religionen zu fördern und das gegenseitige Kennenlernen und Miteinander zu intensivieren. Obgleich diese Ziele eigentlich keiner besonderen Veranstaltung bedürften und insbesondere unter Studierenden und Akademiker eine Trivialität darstellen sollten, kommen diese Facetten des universitären Alltags oft nicht genügend zur Erscheinung. Daher erfreut sich wohl auch diese Veranstaltung zunehmender Resonanz; die begrenzten Plätze sind meist nach wenigen Tagen ausgebucht.
Die ersten Gäste rückten bereits um 19 Uhr an, ehe der offizielle Einlass um 19:30 Uhr starten konnte. Das Programm begann um 20 Uhr mit einer Empfangsrede des Vorsitzenden der Internationalen Muslimischen Studenten Union, Tarek Al-Homsy, und einer kurzen Erläuterung über den Monat Ramadan. Anschließend begrüßte die Leiterin des International Office, Frau Naderer, die Gäste und betonte die besondere Zusammenarbeit zwischen den Organisatoren. Außerdem gab es ein Quiz mit tollen Preisen und eine Versteigerung, um dadurch Spenden für die Hungeropfer in Ostafrika zu sammeln. Um genau 21:07 Uhr wurde der Sonnenuntergang durch den Gebetsruf zum Abendgebet proklamiert. Das Fasten wurde traditionell und gemeinschaftlich mit dem Verzehr einer Dattel gebrochen. Daraufhin wurde das Buffet, bestehend aus diversen Köstlichkeiten der Türkei und Pakistans, eröffnet. Nach dem Essen gab es noch einen Basar, dessen Erlöse ebenfalls in die Spendenaktion für Ostafrika flossen. Insgesamt war neben einem kulinarischen Erlebnis, dem Eintauchen in die islamische Kultur und dem vielfältigen Programm der Abend vor allem durch die Vielfalt der Gäste lohnenswert und interessant.
Das interkulturelle Fastenbrechen genoss auch jenseits des akademischen Rahmens viel Zulauf, mitunter auch die ein oder andere Prominenz. Beispielsweise besuchte im Jahr 2009  Herr Armin Laschet, damals Minister für Integration, Generationen, Familie und Frauen in NRW, die Veranstaltung. Dieses Jahr waren diverse Vertreter der Stadt Aachen zugegen. Für die Medien ist das interkulturelle Fastenbrechen ebenfalls interessant der WDR übertrug in diesem Jahr live aus dem SuperC.
Der Erfolg des interkulturellen Fastenbrechens motivierte deutschlandweit weitere Hochschulvereinigungen ähnliche Ansätze zu starten, um gemeinsam eine Plattform für den interkulturellen Austausch zu ermöglichen. Erfreulicherweise gibt es nun nach dem Vorbild Aachens fast in allen größeren Uni-Standorten Fastenbrechen-Veranstaltungen.
Die IMSU ist seit über 50 Jahren an der RWTH Aachen präsent und somit der älteste muslimische Studentenverein in Deutschland. Neben dem interkulturellen Fastenbrechen veranstaltet die IMSU diverse Vortagsreihen, Info-Abende, Regionalkonferenzen und Ausflüge.
Auch im nächsten Jahr soll es ein interkulturelles Fastenbrechen geben. Insgesamt hoffen wir, mit dem gemeinsamen Fastenbrechen einen kleinen Beitrag für den interkulturellen Austausch an der Universität leisten zu können. Wir genießen es in den Dialog zu treten, um in unserer pluralistischen Gesellschaft mehr miteinander statt übereinander zu reden. Wir sehen, dass dadurch viele Vorurteile abgebaut werden können und man letztlich anerkennt, dass viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede bestehen. Wir möchten auch in Zukunft durch diese und andere Veranstaltungen authentische Eindrücke über den Islam und die Muslime in Deutschland vermitteln und stärker in den Dialog treten.
 
Für das Team der Internationalen Muslimischen Studenten Union (IMSU)
Mohammad Ayub, Hakan Polat, Tarek Al-Homsy