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Stellungnahme zur Mercator-Professur von Alice Schwarzer

22.10.2011   |   In: RAMSA Mitteilungen

Alice Schwarzer wird mit der Mercator-Professur für Ihre Weltoffenheit und ihren Weitblick geehrt. Wir verdanken Frau Schwarzer viel für die Frauenbewegung in Deutschland. Sie kämpfte für Freiheit und Selbstbestimmungsrecht, dass sie uns Muslimen jetzt nimmt und dadurch enttäuscht. Sie unterstellt den Frauen, die sich zum Kopftuch freiwillig entschieden haben, dass sie pauschal die „Flagge des Islamismus“ auf dem Kopf tragen würde.

Trotz ihrer akademischen Laufbahn differenziert sie nicht die zentralen Begriffe ihrer Thesen. Ebenso ist festzustellen, dass eine theologische oder islamwissenschaftliche Ausbildung nicht vorliegt. Sie argumentiert ausschließlich ideologisch im Gegensatz zu Beispielen wie die wissenschaftlich fundierten Beiträge von Werner, Karin (Hrsg): Der neue Islam der Frauen. Weibliche Lebenspraxis in der globalisierten Moderne. Fallstudien aus Afrika, Asien und Europa.

So setzt sie auch die Objektivität und Subjektivität in widersprüchliche Zusammenhänge, wie ihr Zitat aus dem Stern-Interview im November 2010 verdeutlicht: „Es gibt viele subjektive Gründe für das Kopftuch: Identitätssuche, Abgrenzung, Anpassung, Glaube. Aber die objektive Ebene ist: Das islamistische Kopftuch, das jedes Haar als sündig verdeckt, gibt es erst seit der Revolution im Iran 1979. Es ist ein politisches Zeichen.“

Sie nennt das Kopftuch im gleichen Atemzug mit dem Islamismus, schürt dadurch Ängste, pauschalisiert, nimmt Bezug auf den Iran der 70`er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, anstatt auf die soziale Realität im 21.Jahrhundert in Deutschland.  

Sie sieht uns als Opfer aber auch als Täter, stempelt uns ab, vergleicht Äpfel mit Birnen, wie beispielsweise in ihrem Buch „die Antwort“: „Aber ist das Kopftuch nicht das gleiche wie das christliche Kreuz oder die jüdische Kippa? Nein. Weder real noch symbolisch. Kreuz und Kippa behindern, weder die Körperfreiheit noch die Sicht, was das Kopftuch stark tut.“ (S.65ff)

Darüber hinaus entwickelt Frau Schwarzer lieber Verschwörungstheorien, wie die Behauptung, dass Saudi Arabien kopftuchtragende Frauen in Deutschland finanziell unterstützen würde. Wobei unser Einer solche finanziellen Mittel noch nie zu Gesicht bekommen hat.

Darüber hinaus müssen Feministinnen wie Alice Schwarzer einsehen, dass sie nicht für ALLE Frauen sprechen können. Denn sie teilen eine wichtige Erfahrung, die Musliminnen hierzulande machen, nicht: SIE sind nicht von Rassismus betroffen! Wie das Beispiel Alice Schwarzer zeigt, schüren manche Mainstream-Feministinnen sogar den rassistischen antimuslimischen Diskurs mit ihren Thesen. Damit blendet sie all die hart erkämpften Erfolge muslimischer Frauen in dieser Gesellschaft aus.

Es geht noch weiter! Sie greift stets auf das Stereotyp der unterdrückten muslimischen Frau zurück, die sehnsüchtig die westlichen Frauen betrachtet, doch sie ignoriert dabei, dass wir viele Muslime hier in Deutschland sozialisiert und aufgewachsen sind und durch ihre Darstellung in einer Schublade landen, in die wir nicht gehören. Ihre immerwährende Maxime der Selbstbestimmung der Frau wird bei der Debatte um das Kopftuch nicht umgesetzt.

Mein Kopf gehört mir!

Wir verlangen von ihr- als selbstbestimmte – mündige - denkende Bürger dieser Gesellschaft wahrgenommen und damit in unserer Würde geachtet zu werden.