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Vom stillen Keller zum Raum der Stille

27.10.2011   |   In: Stimmen

Wir als die Studierenden der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main haben uns aufgrund mangelnder Interessenvertretung seitens muslimischer Studierender im Sommersemester 2005 vereint und somit die Islamische Hochschulgemeinde Frankfurt am Main gegründet.

 

Heute besteht die unabhängige Hochschulgemeinde aus mehr als 50 Studierenden, die die IHG in vielerlei Hinsicht unterstützen. Der derzeitige Vorstand besteht aus fünf Studierenden aus verschiedenen Fachbereichen. Die IHG setzt sich für die sozialen, religiösen und kulturellen Interessen und Bedürfnisse der muslimischen Studierenden und Bediensteten an der Universität ein. Als Ziel hat Sie sich die Förderung und Pflege der Islamischen Religion und Kultur und vor allem des interkulturellen und interreligiösen Dialogs und Verständnisses gesetzt.

 

Die IHG organisiert Veranstaltungen und nimmt an Anlässen teil, um in erster Linie ein gegenseitiges Kennen lernen zu ermöglichen und um Vorurteile abzubauen. Außerdem werden die Veranstaltungen früh an der Universität angekündigt und von zahlreichen Interessierten besucht. Weiterhin bietet die IHG jedes Semester Treffen, Vorträge, Informations- und Diskussionsveranstaltungen und vor allem Seminare und Feste an. Des Weiteren bietet die IHG muslimischen sowie nichtmuslimischen Erstsemestlern an ihren ersten Studientagen in ungewohnter Umgebung Orientierung und Hilfe. Bei Dialogveranstaltungen, die die IHG in Kooperation mit anderen Hochschulgemeinden regelmäßig organisiert, steht vor allem im Zeichen der Toleranz und des gegenseitigen Respekts. Darüber hinaus versteht sich die IHG als Ansprechpartner für Muslime wie auch für Nicht-Muslime, um Ihnen bei Fragen zum Islam behilflich zu sein.

 

Da die religiösen Belange der muslimischen Studierenden von hoher Bedeutung für die Hochschulgemeinde ist, setzt Sie sich auch intensiv dafür ein und beteiligt sich unter anderem an universitären Veranstaltungen und Anlässen und pflegt damit Kontakte zu anderen Hochschulgemeinden.

 

Seit der Gründung der IHG im Jahr 2005 bekam der Verein viele Anfragen seitens muslimischer Studierende bezüglich einer Möglichkeit eines Orts an der Universität, wo muslimische Studierende in Ruhe ihre täglichen Pflichtgebete verrichten können. Aus diesem Anlass nahm die IHG Bemühungen auf, um für muslimische Studierende einen würdigen Gebetsplatz zu organisieren. Sie nahm zunächst Kontakt zu anderen Hochschulgemeinden auf und mit den zuständigen Stellen der Universität unter anderem mit dem Präsidenten der Goethe-Universität. Aufgrund dieser Bestrebungen transformierte man einen Raum mit nicht unerheblichem Aufwand zu einem gemeinsamen „Raum der Stille“, wo muslimische, als auch nichtmuslimische Studierende die Gelegenheit haben sollten in einem ruhigen Raum, ihr Gebet zu verrichten oder einfach zur „Stille“ zu kommen.

 

Auf dem anderen Campus -Westend der Universität, der durch den Umzug weiterer Fachbereiche immer größer wurde und den alten Campus in Frankfurt - Bockenheim ablösen wird, stellte sich dasselbe Problem. Auch hier wurde die IHG aktiv und engagierte sich für einen nach dem Vorbild des anderen Gebetsplatzes auf dem Campus in Bockenheim anerkannten Gebetsplatz. Diese Bestrebungen führten dazu, dass auf dem Campus Westend ein interkonfessioneller Ort gebaut werden sollte, wonach nicht nur die Gebete verrichtet werden sollten, sondern es vor allem ein Ort der Kommunikation, der Toleranz, des gegenseitigen Verständnisses und des Respekts nicht nur unter den Religionen, sondern für unter allen dialogbereiten Menschen dienen soll. So begann der Bau des „Haus der Stille“, dessen Träger ein neu gegründeter Verein, der „Verein zur Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialog an der Johann Wolfgang Goethe-Universität“ ist.

 

                                                  

 

Das „Haus der Stille“ ist ein zweistöckiges Gebäude mit einer großen und weiten Fläche, der den Mittelpunkt des Raumes umfasst. Im Kellergeschoss gibt es einen separaten Waschraum für Frauen und Männer getrennt, die ihre rituellen Waschungen dort verrichten können.

Die Funktion des „Haus der Stille“, ist gemeinschaftsfördernd, denn die Begegnung des anderen kann einen inspirieren, da sie drei Religionen in einem Haus vereint, indem sie sich ihren Gebeten widmen. Vor allem ist es ein sinnstiftendes Beispiel für andere Hochschulgemeinden um ebenfalls nach diesem Beispiel vorzugehen. Der Bau wurde endgültig im Februar 2009 fertig gestellt. Somit waren die nach Meinung des abgegangenen Universitätspräsidenten „unwürdigen Zustände“, in dem die muslimischen Studierenden in Treppenhäusern und in Kellern ihr Gebet verrichteten, beendet.

 

Die erste offizielle Veranstaltung im Haus der Stille fand am 6. Mai 2009 statt. Es war ein Dialogabend zwischen Christen und Muslimen statt, welches von der IHG mitorganisiert wurde.

 

Die IHG setzt seine Arbeit in diesem kurzen Sommersemester, wie die letzten Semester auch, dank eines neu gewählten Vorstands mit Kraft und Engagement fort, und organisiert wieder u.a. Ausflüge, Vorträge, Dialogabende und ein gemeinsames religiös-kulturelles Fest. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir es durch unsere Bemühungen geschafft haben als erste islamische Hoschulgemeinde bundesweit solch eine Erfolgsgeschichte geschrieben zu haben und erwarten zahlreiche Gäste zu unseren Veranstaltungen und Dialogabenden, um in einer geschwisterlichen Atmosphäre miteinander zu diskutieren und weitere Ideen und Konzepte für andere Projekte in die Tat umzusetzen. Ein altes Sprichwort, dass sich aber immer wieder bewahrheitet, besagt: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg". In diesem Sinne wünschen wir allen islamischen Hochschulgemeinden viel Erfolg und Segen auf ihren Wegen. Möge Gott uns für all unsere Bemühungen belohnen.

 

Eure IHG-Frankfurt