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Zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus - es gibt noch viel zu tun! Gemeinsam!

02.07.2019   |   In: Stimmen

Zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus – Es gibt noch viel zu tun! Gemeinsam!

2018 setzten mehr als 20 Organisationen leuchtende Zeichen gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit.

Heute ist die bundesweite Aktionswoche gegen Antimuslimischen Rassismus, koordiniert von CLAIM- Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit zu Ende gegangen. Festzuhalten bleibt: es gibt noch viel zu tun! Gemeinsam!

10 Jahre seitdem die Pharmazeutin Marwa El-Sherbini aus islamfeindlichen Motiven in einem deutschen Gerichtssaal von einem Rechtsextremen ermordet wurde. Zum Tatzeitpunkt war sie schwanger und bereits Mutter eines drei jährigen Sohnes. Sie war lebensfroh, gesellschaftlich engagiert und eine bekannte Profisportlerin. Viele MuslimInnen ließ die Tatsache, dass der Angeklagte vor der Verhandlung nicht auf Waffen kontrolliert, ihr Ehemann beim Versuch sie zu retten von einem Polizisten angeschossen wurde, tagelang die Berichterstattung entweder gar nicht, verharmlosend oder nur verzerrt stattfand, hilflos und geschockt zurück. Verletzend war es dann auch, als die Bundespolitik ihre Betroffenheit an den ägyptischen Botschafter, statt vorrangig an die Familie des Opfers und auch nicht an die zahlreichen verunsicherten MuslimInnen in Deutschland richtete.

Mehrere muslimfeindliche Angriffe sind seitdem passiert, sei es auf nationaler oder internationaler Ebene und noch zu oft werden diese verharmlost oder nicht trennscharf analysiert und als antimuslimisch motiviert erkannt, wie im Fall der drei muslimischen Studierenden aus Chapell Hill, die von ihrem Nachbarn in deren Wohnung hingerichtet wurden, noch im Fall des Münchner Attentäters Davis S., der seine Opfer ebenfalls in nicht unerheblichem Maß aus antimuslimischen Motiven ausgewählt hatte. Der Terrorist des Christchurch Terroranschlag hatte sich maßgeblich inspirieren lassen vom rechtsextremen Massenmörder und Islamhasser Breivik. Und bei der Ermordung des Kasseler Politikers Walter Lübke spielte dessen freundliche Haltung gerade zu muslimischen Geflüchteten eine ungenügend beachtete Komponente. Ein schon lange tätiger islamfeindlicher Hetzblog hatte seine Privatadresse veröffentlicht. Der Täter hatte ihn im Netz zum „Volksverräter" degradiert. Im Juni diesen Jahres sind in der Kölner Keupstraße wenige Tage vor dem Gedenken an den NSU-Anschlag rechtsextreme Drohbriefe mit Gewaltaufrufen gegen Muslime und Juden in Briefkästen geworfen worden. In der Uni-Bibliothek der Goethe-Universität Frankfurt tauchten Nazi-Flyer, ebenfalls bestückt mit Mordaufrufen gegen Muslime und Juden auf. Schon die eigentliche NSU hatte Moscheen und RepräsentantInnen muslimischer und türkischer Organisationen auf deren Listen. Und nach dem Brandanschlag 1993 in Solingen wird Mevlüde Genc, heute Botschafterin des Friedens, antimuslimisch angefeindet, wenn sie öffentlichwirksam auftritt.

2014 haben wir als RAMSA e.V. den 1. Juli zum Tag gegen antimuslimischen Rassismus (TgaR) ausgerufen. 2018 konnten wir die Koordination des Tags an CLAIM übergeben. Unsere Aufreihung zeigt uns leider, dass dies bitter notwendig war. Zwar fanden bereits immer mal sehr gute Veranstaltungen im unversitären Rahmen und zivilgesellschaftliche Aktionen statt und sehr engagierte Einzelpersonen bemühten sich, um über antimuslimischen Rassismus aufzuklären, wofür wir sehr dankbar sind, doch die breite Öffentlichkeit schien die zunehmende Tendenz, dass rechtsextremes Gedankengut sich mit islamfeindlichen Einstellungen füttert und sowohl öffentlich, als auch im Untergrund organisiert nicht wahrzunehmen. Und: Muslimfeindlichkeit wird zu oft als Fremdenfeindlichkeit abgestempelt.

Wir sind keine Fremde. Wir sind ein Wir. Gemeinsam. Wir wollen hier leben. In Güte und Frieden.

Unser Ziel war es nicht anzuklagen oder etwas für uns zu fordern, sondern die Mitte der Gesellschaft zu stärken, ihr einen Rahmen zu bieten, um aktiv werden zu können. Und zu helfen, dass die verschiedensten Initiativen trotz jeweiliger Unterschiede in der einen Sache, nämlich Hass entschieden entgegen zu treten regelmäßig, aber mindestens einmal im Jahr zusammenkommen können.

Der TgamR und das Engagement gegen antimuslimischen Rassismus kann unabhängig von Vereinen, Personen, Verbänden, parteipolitischen Ausrichtungen, Glauben, Organisationen und Weltanschauunge begangen werden. Er ist besitzlos und soll niemandem alleinig zugesprochen werden. Er wird frei bleiben von leichtfertiger Empörung, Skandalisierung, Spaltung, Verharmlosung oder interessengeleiteten Instrumentalisierungen.

So haben wir ihn geprägt und so soll er auch bleiben.

Wir danken der CLAIM-Allianz für die verantwortungsvolle Umsetzung ihrer Kampagne #HassHatKeinHerz und die Koordination der Aktionswoche mit der sie maßgeblich zur Bekanntmachung des Tags gegen antimuslimischen Rassismus beiträgt und dem Anliegen v.a. in unserer Hauptstadt und in der Politik eine Stimme verschafft.

Wir danken allen aufrichtigen VorreiterInnen, den Personen des öffentlichen Lebens, die ihre Stimmen erhoben haben, den PolitikerInnen, die Zeichen gesetzt haben und setzen! Wir danken den WürdenträgerInnen unterschiedlichster Religion für ihren Einsatz, ihren Sanftmut, ihre Standhaftigkeit und ihre Geduld! Wir danken den JournalistInnen, die Gewalt aus islamfeindlichen Motiven thematisieren und hartnäckig an der Themensetzung dranbleiben. Wir danken den WissenschaftlerInnen, die Wissen produzieren, Begriffe ausarbeiten, Fakten zusammentragen und den Blick schärfen. Wir danken denjenigen sensibilisierten Behörden, die Hetze gegen MuslimInnen ernstnehmen und Personen- und Sachschutz betreiben.

Chapeau, Shukran, toda raba, vielen Dank an alle Partnerorganisationen, bemühten Einzelpersonen, und in unserem Kontext v.a. auch an die zahlreichen Hochschulgruppen, die an ihren Universitäten Aktionen durchführten und um den Zusammenhalt an ihren Unis bemüht sind!

Wir danken denjenigen aus unseren eigenen Reihen, die sich der Wut verweigern, die Polarisierung durchschauen, Instrumentalisierern aus ideologischen Lagern eine Abfuhr erteilen und  nur mit weichen, gefestigten Herzen für das Wohl aller tätig werden!  

Wir ertappen uns manchmal dabei, wie wir in Sorge sind um diejenigen, die sich für Menschenrechte und Minderheiten einsetzen und heutzutage dabei manchmal sehr viel riskieren müssen.

So beten wir für die Opfer von Hass und Gewalt, wir beten für deren Familien. Und für uns alle.

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Mehr zur Aktionswoche unter: www.allianzgegenhass.de

Zur Übergabe des Projekts an CLAIM 2018: http://www.ramsa-ev.de/ramsa-mitteilungen/mitteilung-1-juli-tag-gegen-antimuslimischen-rassismus-ramsa-uebergibt-offizielle

Zum Anfang des TgamR: http://www.ramsa-ev.de/ramsa-mitteilungen/1-juli-gro%C3%9Fe-unterst%C3%BCtzung-f%C3%BCr-ramsa-kampagne