Sie sind hier
Niemand wird ewig leben
Bismillah
Gedanke zum Freitag
Heute von: Kaan Orhon, RAMSA-Vizepräsident und Islamwissenschaftler aus Göttingen
Der Gesandte Allahs – Segen und Frieden auf ihm – sagte:
„Wenn der Mensch stirbt, wird er (vom Verdienst) seiner Taten getrennt, außer in drei (Fällen): eine Sadaqa, die fortdauert, Wissen, das Nutzen bringt, und ein aufrechter Nachkomme, der für ihn bittet.“ (Muslim)
Niemand wird ewig leben. Dies ist allen denkenden Menschen bewusst, auch wenn manche es gern verdrängen, in Furcht und Zweifel ob dessen, was danach kommt. Ein Muslim sollte den Moment seiner Rückkehr zu seinem Schöpfer natürlich nicht als drohendes Unheil empfinden, dem es zu entfliehen gilt, vielmehr als das natürliche, von unserem Herrn in Weisheit verfügte Ende einer Etappe unserer Existenz und der Anfang der nächsten, der ewigen; die Sicht auf diese geprägt von Hoffnung, Vertrauen und Ergebenheit.
Im Wissen dass das Ende unseres irdischen Lebens für uns jederzeit geschrieben sein kann, sollten wir uns auch und gerade in Jugend und Gesundheit an den Tod erinnern und auf ihn vorbereiten, uns so zum Vollbringen möglichst vieler guter Werke motivieren lassen aber zum Beispiel auch ein Testament machen und im Rahmen unserer Möglichkeiten sicherstellen, dass Menschen, die vielleicht von uns abhängig sind, gut versorgt sind, wenn wir nicht mehr bei ihnen sind.
Und nicht zuletzt sollten wir im Sinne der obigen Überlieferung bemüht sein, etwas von uns in dieser Welt zu hinterlassen wenn wir gehen, dass anderen Menschen und damit uns selbst Nutzen und Segen bringt. Vom einem klassischen Beispiel wie dem Pflanzen eines Baumes, der Menschen wie Tieren Früchte und Schatten spendet bis zu etwa einem Ergebnis wissenschaftlichen Forschung oder einer Erfindung, von der Menschen noch viele Generationen nach uns einen Nutzen haben. Es ist keine übertriebene Anhänglichkeit an das Diesseits, wenn man Freude empfindet, bei dem Gedanken, dass auf diese Weise etwas von uns bleibt.
Wir können keine Gewissheit haben, wie lange eine solche positive Hinterlassenschaft besteht und wie viele Menschen sie erreichen wird. Nicht nur wir selbst sind endlich, auch diese Welt als Ganzes ist es und irgendwann wird sie vergehen. Dennoch ist dies kein Grund, nicht für die Zukunft zu planen, Grundsteine zu legen für ein Werk, welches andere, die nach uns kommen, vielleicht vollenden. Die Taten sind gemäß der Absicht, und wenn unsere Werke, unser Wissen und unsere Nachkommen uns nur um einen Tag überdauern würden, so wären sie doch nicht vergebens.
Schließen möchte ich mit der sinngemäßen Bedeutung einer anderen Überlieferung: wenn wir einen Setzling in der Hand hielten, mit der Absicht, ihn zu pflanzen, und der Tag des Gerichts käme über uns, so sollten wir ihn trotzdem in die Erde setzen.
In diesem Sinne wünscht euch der Vorstand des RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.





