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Scheinargumente

02.01.2014

Bismillah

Gedanke zum Freitag
Heute von: Kaan Orhon, RAMSA-Vizepräsident und Islamwissenschaftler aus Göttingen

Allah der Erhabene sagt in Seinem Buch in der ungefähren Übersetzung:

„Und wenn ihnen Unsere Zeichen verlesen werden, sagen sie: ‚Wir haben es bereits gehört. Wenn wir wollten, könnten wir fürwahr etwas Gleichartiges sagen. Das sind nur Fabeln der Früheren‘. “ ((al-Anfal:31))

Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir uns als Muslime fortwährend der Forderung ausgesetzt sehen, uns für unseren Glauben, für das was und wer wir sind zu rechtfertigen oder zu entschuldigen, ihn nicht öffentlich zu praktizieren oder ganz aufzugeben. Dies ist die Folge eines Erstarkens diverser anti-religiöser Bewegungen mit verschiedenen ideologischen Hintergründen, die gegen Religion und religiöse Menschen in allen Lebensbereichen zu Felde ziehen und auf nichts weniger abzielen, als den Status der Religion in der Gesellschaft, die Sicht darauf, was an religiöser Praxis akzeptabel ist und was nicht, nachhaltig zu verändern, zuungunsten gläubiger Menschen versteht sich.

In vielen Bereichen werden dafür kontextgebundene Gründe oder Scheinargumente vorgebracht – konkret im Bereich Hochschule etwa dass Wissenschaft und Glaube grundsätzlich unvereinbar seien oder das eine Hochschule als öffentliche Einrichtung „religiöse Neutralität“ zu wahren habe. In beiden Fällen folgt daraus die Forderung, Glaubensausübung an der Hochschule einzuschränken oder ganz unmöglich zu machen. Gerade im universitären Rahmen wird dabei gern die Deutung konstruiert, Religion sei ein Relikt der Vergangenheit und ihre Bekämpfung durch, die Wissenschaft als Ganzes unberechtigterweise für sich beanspruchende, Religionsgegner sei ein Merkmal von Fortschritt und „Moderne“.

Der obige Vers belegt jedoch, dass diese spirituelle und intellektuelle Auseinandersetzung so alt ist wie der Islam und noch älter. Schon die Propheten – Friede auf ihnen allen – wurden mit beinahe denselben Argumenten konfrontiert und verspottet. „Geschichten, Märchen von früher, von Menschen die es nicht besser wussten, über ein Leben nach dem Tod und weltfremde Moralvorstellungen…“ so oder so ähnlich sprachen Menschen schon zu Muhammad - Allahs Segen und Frieden auf ihm – und es hat sich bis heute nichts geändert.

Allah der Erhabene offenbart uns im Quran, was er im Angesicht dessen an seinen Gesandten (s) richtete:

„Ja, bereits vor dir wurden Gesandte der Lüge bezichtigt. Und da ertrugen sie standhaft, dass sie der Lüge bezichtigt wurden und dass ihnen Leid zugefügt wurde, bis Unsere Hilfe zu ihnen kam. Es gibt nichts, was Allahs Worte abändern könnte. Dir ist ja bereits Kunde von den Gesandten zugekommen.“ ((al-Anam:34))

Dies soll auch unsere Vergewisserung, unser Trost und unser Ansporn sein, wenn wir uns in unserem Alltag angefeindet sehen für das was und wer wir sind und uns und unseren Platz in der Gesellschaft stets aufs Neue behaupten.

In diesem Sinne wünscht euch der Vorstand des RAMSA einen gesegneten Freitag und ein schönes Wochenende.