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Aufbauschulung: von Widerlegung extremistisch religiöser Ideologien bis zu Dekonstruktion von Verschwörungstheorien
Aufbauschulungen 2018 im Rahmen von "Zukunft bilden"
Im April und Mai 2018 durften die ersten Absolventen des RAMSA Basiskurs zur Stärkung und Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagements muslimischer Multiplikator*innen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in einer kleinen Gruppe mit einem Experten erörtern. Dazu wurde ein ganz neues Format angewendet, mit denen die Teilnehmer*innen 1 Tag lang interaktiv ein spezielles Thema diskutieren, aktuelle Themen und Zusammenhänge besprechen und Fälle bearbeiten. Am folgenden Tag stellen sie ihre zuvor bereitete Präsentation anhand einer neu erlernten Methode vor. Diese wird mit dem Seminarleiter gemeinsam reflektiert. Zum Abschluss haben alle Teilnehmer*innen einen Test absolviert und diesen bestanden.
In der ersten Schulung widmeten wir uns der Widerlegung von extremistisch religiösen Ideologien, anhand von Daesh. Der Seminarleiter Bacem Dziri führt die Teilnehmer*innen zunächst in die Historie der sog. Kharijiiten und ihre Auseinandersetzung mit dem damaligen Kalifen Ali. Dazu analysierten die Teilnehmer*innen die Argumente beider Seiten und stellten sie in den gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Kontext, in der Auseinandersetzung mit extremistischen Ideologien.
Im Hauptteil des Seminars, führte der Referent anhand des Buches Widerlegung von ISIS von Sheikh Muhammad Yaqoobi, in den aktuellen Diskurs und globale Herausforderung von gewalttätigen Extremismus und Terror in Zusammenhang mit Daesh. Hierbei wurde Buch und Autor sowie Hintergrund erläutert. So entstand dieses Buch, aus dem Verlangen des Autors- eine einflussreiche religiöse Autorität aus Syrien- die theologische Grundlage von Daesh und Extremismus insgesamt vehementer und deutlicher entgegenzutreten, als dies in dem Brief von 124 muslimischen Gelehrten weltweit an den sog. „Kalifen Abu Bakr al Baghdady“, dem Führer Daesh, geschehen ist. Die wesentlichen theologischen Argumente wurden dabei herausgearbeitet und diskutiert.
Der Abschlussteil bezog sich auf Ergebnisse einer Fallstudie, an deren Entstehung der Seminarleiter wissenschaftlich beteiligt war. Die Fallstudie analyisierte die Chatverläufe einer Whatsapp Gruppe, deren Mitglieder sich zu einer militanten Jugendgruppe aus NRW zusammengeschlossen hatten.
Die Kursteilnehmer:innen wählten sogleich eigene Themen aus den Inhalten des Seminars aus und bereiteten diese für den Folgetag im Pecha Kucha Stil vor. Nachdem sie den Test erfolgreich absolvierten, stellten sie ihre Themen vor, je 20 Bilder in 6.20min. Das neue Format, die neu erlernte Methode und die gesamten Inhalte stießen auf eine hohe Resonanz seitens der Teilnehmer*innen und motivierten für die zweite Schulung im Mai.
Die zweite Schulung behandelte das Thema Verschwörungstheorien. Ein Thema, das immer wieder in vielen Diskursverläufen und Auseinandersetzungen erkennbar wird. Mit dem Experten Kaan Orhon, analysierten die Teilnehmer*innen u.a. anhand von Textausschnitten aus dem Buch „Nichts ist wie es scheint“ von Prof. Michael Butter, Historie und Systematik von Verschwörungstheorien. Anschließend wurden beispielhaft einige bekannte Verschwörungstheorien und deren Systematik aufgezeigt.
Am folgenden Tag stellten die Teilnehmer*innen ihre zuvor vorbereiteten Präsentationen vor. Dabei sollte jeder eine Verschwörungstheorie vorstellen und sich kritisch damit auseinandersetzen. Themen waren u.a.: Putsch in der Türkei, 11. September, Freimaurer, eine globalen zionistisch Verschwörung etc. Hierbei stellten die Teilnehmer*innen Gemeinsamkeiten, aber auch spezifische Muster fest, die sie für die Dekonstruktion und Erkennung von Verschwörungstheorien in ihrem Ehrenamt, aber auch im Alltag sensibilisieren.
Abschließend wurde ein Test mit mehr als 10 Fragen zu den Inhalten des Seminars aber auch weitere Fragen aus der letzten Schulung von allen Teilnehmer*innen erfolgreich absolviert.
Zum Ende des Jahres kamen die Teilnehmer*innen, welche beide Schulungen erfolgreich absolvierten zu einem Treffen zusammen, um gemeinsam über aktuelle und vergangene Herausforderungen und Probleme aus dem Ehrenamt zu reflektieren und sich kollegial auszutauschen. Hierbei wurden auch die Inhalte der Aufbauschulung hinzugezogen. Die Mentor*innen sollten auch eine Reflexion schreiben sowie mehrere Fragen beantworten, mit denen sie ihre eigene Rolle, Wirkung und Ehrenamt evaluieren. Die Teilnehmer*innen äußerten den Wunsch nach Supervision und regelmäßigen Treffen vor, in denen sie die gelernten Inhalte reflektieren, Herausforderungen und Probleme des Engagements gemeinsam besprechen und Lösungsansätze in einem kleinen und geschützten Rahmen zu entwickeln. Auf dem Weg hin zu zukünftigen Führungsfunktionen und Verantwortung in ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement werden sie von erfahrenen RAMSAner:innen begleitet.





