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Gemeinsam mit dem Rat muslimischer Studierender und Akademiker in Deutschland kritisieren Studierende aus Münster die Vorgänge an der Universität Münster

22.10.2011   |   In: RAMSA Mitteilungen

In der Diskussion um den Lehrstuhl am Centrum für Religiöse Studien an der Universität Münster und dessen derzeitigem Inhaber Muhammad Sven Kalisch melden sich nun auch die Studierenden mit einem Positionspapier selbst zu Wort.
 
1. Grundsätzlich stellen wir fest, dass die Ausbildung für das Lehramt islamischer Religionsunterricht analog zu den anderen Religionsgemeinschaften dem im Grundgesetz garantierten Recht auf Selbstbestimmung der Lehrinhalte durch die Glaubensgemeinschaft unterliegen sollte.
2. Professor Kalisch hat sich durch seine Äußerungen im Widerspruch zum islamischen Glaubensbekenntnis gestellt und ist somit nicht geeignet, Glaubensinhalte überzeugend zu vermitteln. Wir halten ihn daher persönlich für nicht geeignet, einen Lehrstuhl für Religionsunterricht zu bekleiden.
3. Zur fachlichen Eignung Prof. Kalischs stellen wir fest: Die publik gewordene Arbeit Kalischs ist unwissenschaftlich. Er formuliert seine Behauptungen als Ergebnisse einer Forschung, die von ihm tatsächlich nicht vollzogen wurde. Die von ihm behandelten Themen sind seit geraumer Zeit Gegenstand islamwissenschaftlicher Forschungen, die mehrheitlich noch immer zu anderen Ergebnissen kommen. Diesen Forschungsstand innerhalb der Islamwissenschaft vernachlässigt Herrn Kalisch offensichtlich.
4. Wir bestätigen außerdem die Hinweise von Minister Pinkwart, dass Prof. Kalisch mit der Lehrerausbildung im engeren Sinne bislang wenig zu tun hatte.
Selbstverständlich, stehen wir für die Freiheit der Lehre und Wissenschaft in Deutschland ein. Im Islam stehen Glaube und Wissenschaft nicht im Widerspruch zu einander. Eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit mündlichen und schriftlichen Texten innerhalb der islamischen Quellen (dem Koran und den Überlieferungen des Propheten) war schon immer Bestandteil der islamischen Gelehrsamkeit.
 
Ohne auf einen wissenschaftlichen Anspruch in unserer Ausbildung verzichten zu wollen, fordern wir daher folgendes:
 
1. Einen vollständigen Rückzug Prof. Kalischs aus der Lehrerausbildung. Dies bezieht sich auch auf die Auswahl zukünftiger Lehrkräfte und der Ausgestaltung zukünftiger Lehrinhalte.
2. Die neue islamische Professur für Islamkunde sollte in Abstimmung mit dem Koordinierungsrat erfolgen.
3. Wir fordern die Universitätsleitung Münster und das zuständige Ministerium auf, die Interessen der betroffenen Studenten zu wahren und sie vor Druck und Bevormundung durch die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen des Lehrstuhls - die bislang leider an der Tagesordnung sind - zu schützen. Ferner fordern wir alle an der Diskussion um den Lehrstuhl Beteiligten dazu auf, die Diskussion auf wissenschaftlichem Niveau gewaltfrei und im Interesse der Ausbildung zukünftiger Generationen zu führen.